Mit Lufthansa-Direktflug geht aus dem sonnigen Bayern in knapp 3 Stunden nach Sevilla. Ein seit einigen Tagen anhaltendes Tiefdruckgebiet relativiert alle Vorstellungen vom sonnigen Süden: starker Wind bei der trotzdem sanften Landung und Nieselregen. Der Flughafen Sevilla ein wenig in die Jahre gekommen, recht düstere Atmosphäre. Aber uns erwartet schon eine gut gelaunte Nicola Holzwarth, unsere Gästeführerin für den Aufenthalt in Andalusien. Eine kurze Busfahrt bringt uns in knapp einer halben Stunde nach Carmona.
Während der Reise werden wir ausschließlich in Paraderes-Hotels wohnen. In Carmona liegt der Parador auf dem höchsten Punkt der Stadt neben den Resten des Alcázar de Arriba. Wie Nicola bemerkt, versteht keiner, warum die Anfahrtsstraße zum Parador seit Jahren eine Schotterstraße bleibt. Heftiger Wind empfängt uns hier und ein erster Blick in den Patio des Parador lässt die Bitten nach Wetterbesserung erheblich ansteigen. Welch wunderbarer Ort für eine Ruhepause:

Da für den späteren Nachmittag Regen angesagt ist, schlägt Nicola eine baldige Stadtbesichtigung vor. Die Zimmer (später mehr dazu) rasch bezogen und dann soll es gleich zu Fuß losgehen. Leider kann man sich auf den Wetterbericht auch in Spanien nicht 100%ig verlassen. Heftige Windböen peitschen Regen vom Himmel, Schirme zwecklos. Nachdem die Wetterfestigkeit von fast allen Reisenden versichert wird, starten wir zum Rundgang durch eine relativ ruhige Altstadt.
Entlang der Resten des Alcázar de Arriba, erbaut unter Pedro I., geht es durch menschenleere Sträßchen zur Puerto de Cordoba. Weiter vorbei am Convento de Santa Clara und der Iglesias de Santa Maria zur Plaza de San Fernando, dem ehemaligen römischen Forum.
Eine Bar am Platz verspricht nicht Schutz vor den Unbillen des Wetters, sondern auch eine verdiente Stärkung. Das Gläschen Wein schmeckt mit einigen Scheiben jamón iberico noch viel besser. Unterhaltung bietet der aktuelle Wetterbericht im TV, der Moderator kann von Schneefall in León und gut besuchten Stränden in Alicante berichten. Und macht gleichzeitig fröhlich Hoffnung auf Wetterbesserung in den kommenden Tagen. Davon unbeeindruckt, regnet und windet es weiter. Die Gruppe trotzt den Widrigkeiten unbeirrt und weiter geht es durch das Städtchen.
Die Plaza de Abostos, der Marktplatz, menschenleer. Der Weg führt weiter in Richtung Alcazar de la Puerto de Sevilla. Unbedingt lohnenswert der eine oder andere Blick durch eine Eingangstür – manche mit zauberhaften Fliesen und filigraner Schmiedeeisenkunst dekoriert. Die Puerto de Sevilla markiert den Übergang in die Ebene und war eine Schwachstelle für die Verteidigung der Stadt – zu erwartende Sturmangriffe aus der Ebene heraus machten eine erhebliche Verstärkung der Verteidigungsanlage im Mittelalter notwendig. Heute breitet sich vor dem Tor die Neustadt von Carmona aus. Zur Belohnung für das tapfere Widersetzen gegen Wind und Wetter gibt es von einer Minute auf die andere plötzlich blauen Himmel und Sonnenschein. Welch ein Glück für alle Fotografen, wie einladend nun die Stadt!
Wohlgelaunt treten wir den Spaziergang zurück zum Parador an, werden aber auf den letzten 10 Minuten schon wieder vom beständigen Nieselregen und starkem Wind nochmals durchnässt. Bis zum Abendessen, das übrigens mit 20 Uhr sehr früh angesetzt ist, bleibt Zeit, von den ersten Anstrengungen des Tages zu erholen.



